Grußwort Prof. Dr. Thea Koch

Prof. Dr. Thea KochLiebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

als Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) lade ich Sie ganz herzlich zum Deutschen Anästhesiecongress (DAC) 2016 nach Leipzig ein. Der Kongresspräsident Herr Prof. Wappler hat für den DAC 2016 das spannende Motto

„AINS 2.0 - die Zukunft gestalten“
gewählt.

Die ständige Weiterentwicklung der Medizin mit neuen Therapien und innovativen technischen Möglichkeiten einerseits und die Zunahme an komplexen multimorbiden Risikopatienten andererseits stellen große Herausforderungen für unser Fachgebiet dar. Aber auch die sozioökonomischen Rahmenbedingungen mit Arbeitsverdichtung und der zunehmende Personalmangel im ärztlichen und pflegerischen Dienst erfordern nicht nur eine Neugestaltung der Prozesse sondern auch des organisatorischen Managements. Die Anästhesiologie befindet sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen den Anforderungen einer hohen Spezialisierung in den verschiedenen klinischen Bereichen (z.B. Kinder-, Kardioanästhesie) und der flexiblen Einsetzbarkeit, da Vorhaltekosten für sogenannte Spezialisten, insbesondere außerhalb des Regeldienstes, weder in den Erlösen abgebildet noch aufgrund mangelnder Verfügbarkeit personell realisierbar sind. Dieser Wandel auf den verschiedenen Ebenen erfordert innovative Ideen zur zukünftigen Gestaltung unseres Fachgebietes, um unsere Stärken und Chancen unter den veränderten Rahmenbedingungen zu nutzen.

Mit der „Think Tank“ Initiative der DGAI ist ein Aufruf erfolgt, aktiv mit kreativen Ideen und Visionen die Zukunft zu gestalten. Für die Intensivmedizin wurden bereits die sog. „10 Berliner Thesen“ verfasst und Maßnahmen zur Umsetzung beschlossen, die auch auf diesem Kongress vorgestellt werden. Weitere interessante Entwicklungen in allen Facetten unseres Fachgebietes sollen in den verschiedenen Sitzungen diskutiert werden. So seien hier nur die telemedizinischen Möglichkeiten in der Notfall- und Intensivmedizin als ein Beispiel genannt, um eine flächendeckende qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten. Sie alle sind aufgefordert, an der Zukunft unsers Faches mit konstruktiven Vorschlägen mitzuwirken.

Gestatten Sie mir hierzu einige persönliche Gedanken, die auf meiner langjährigen Berufserfahrung an verschiedenen Institutionen basieren. Die optimale interdisziplinäre Behandlung ist entscheidend für das perioperative Outcome und auch die Voraussetzung für eine kosteneffiziente Versorgung. Dabei muss jedoch immer die Patientensicherheit an erster Stelle stehen. Auch die menschliche Zuwendung darf in der täglichen Routine nicht verloren gehen. Unsere Patienten befinden sich immer in einer Ausnahmesituation, sei es vor einer großen Operation, nach Notfällen oder auf der Intensivstation. Ihnen gebührt eine empathische und kompetente Behandlung. Auch müssen wir angesichts der zunehmend komplexeren Fälle einer weiteren Fragmentierung unserer Arbeitsprozesse entgegenwirken, die durch Informationsverluste nicht nur die Patientensicherheit sondern auch die Berufszufriedenheit und Attraktivität unseres Faches gefährden. Jeder Anästhesist sollte wieder mehr Verantwortung für „seinen Patienten“ übernehmen und ihn möglichst schon präoperativ, intraoperativ und postoperativ betreuen. Auf diese Weise kann ein Vertrauensverhältnis zum Patienten aufgebaut und die Qualität der eigenen Anästhesie und der Schmerztherapie beurteilt und verbessert werden. Nur durch die umfassende perioperative Versorgung wird die Anästhesiologie im Bewusstsein unserer Patienten bleiben und in der Politik den entsprechenden Stellenwert erlangen. Die Zukunft und Weiterentwicklung unseres Faches wird neben der klinischen Kompetenz entscheidend von der internationalen Sichtbarkeit der klinisch relevanten Forschung abhängen.

Nutzen Sie das vielfältige und interessante Programm des DAC 2016 zu Ihrer persönlichen Kompetenzerweiterung und zum fachlichen, berufspolitischen und persönlichen Gedankenaustausch. Ich freue mich Sie in Leipzig begrüßen zu dürfen und grüße Sie herzlich mit einem Zitat, das Willy Brandt zugeschrieben wird

„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“.

Ihre

Prof. Dr. Thea Koch
Präsidentin der DGAI